Natur-Erlebnis-Tipps

Hallo, ihr seid wieder dabei?

Super, denn: gleich zu Anfang wird es schon wieder spannend bei uns! Hört Euch doch, bevor Ihr weiterlest einmal das hier an:

 

Sicher habt ihr diese Laute noch nie gehört, es sei denn, ihr seid Raubtierspezialisten!

Welches Tier, glaubt ihr, könnte das sein?

  • er hat Pinselohren und einen Backenpart
  • er hat dicht behaarte Pfoten, mit denen er wie auf Schneeschuhen laufen kann
  • er gehört zu unseren großen Raubtieren
  • er war 200 Jahre lang verschwunden

Und jetzt kehrt er zurück!

Der Eurasische Luchs!

(C) R. Jähne
(C) R. Jähne

So heimlich, wie er lebt, so wenig wissen die meisten über ihn. Das wollen wir ändern – heute könnt ihr bei uns echte Luchsprofis werden!

 

Wofür das gut sein soll? Nun, manche Menschen stehen der Rückkehr unserer großen Raubtiere immer noch etwas skeptisch gegenüber. Das heißt zum Beispiel, dass sie aus verschiedenen Gründen Bedenken haben, verunsichert sind oder gar Angst haben, wenn sie wissen, dass es wieder Wölfe und Luchse in Deutschland gibt. Das liegt aber meistens daran, dass sich Meinungen über diese Tiere verbreitet haben, die eigentlich auf falschen Informationen oder Vorurteilen zum Teil noch aus alter Zeit beruhen. Wenn wir mehr über diese faszinierenden Tiere wissen, und sie besser kennenlernen, können wir sie auch besser verstehen und viele solcher Vorurteile ausräumen.

 

Die „Großen Drei“ werden auch unsere Großraubtiere genannt: Wolf, Bär und Luchs! Solche großen Raubtiere (Prädatoren nennt man sie auch) soll es hier geben? Ja, zumindest der Wolf und der Luchs sind in den vergangenen Jahren allmählich wieder zu uns zurückgekommen . Und zwar aus unseren Nachbarländern, denn dort leben sie nach wie vor und die Menschen dort sind an ein Leben mit ihnen gewöhnt. Eigentlich hat es auch bei uns die großen Raubtiere immer schon gegeben.! Das überrascht Euch vielleicht?

 

Das mag daran liegen, dass der Luchs zum Beispiel in den letzten 200 Jahren bei uns in Deutschland als ausgestorben galt. Warum? Jahrhunderte lang wurden Luchse stark bejagt. Oft wurden sie wegen ihres schönen Fells geschossen, aber auch weil der Luchs als Jagdkonkurrent angesehen wurde. Wolf und Bär erging es nicht viel anders. Mittlerweile sind sie aber unter Schutz gestellt. Sie dürfen nicht mehr einfach abgeschossen werden und es gibt viele Leute, die sich darum kümmern, dass es auch bei uns wieder mehr Wölfe und Luchse gibt. Mal ganz abgesehen davon, dass sie doch auch einfach das Recht haben sollten, hier zu leben, erfüllen unsere großen Raubtiere eine sehr wichtige Aufgabe in der Natur! Reißen (töten) sie zum Beispiel Rehe, um sie zu fressen, verhindern sie damit, dass es zu viele Rehe gibt. Das ist wichtig, denn zu viele Rehe schaden zum Beispiel dem Wald, da sie die Triebe, Knospen und zarte Rinde der Bäume fressen.

 

Am liebsten frisst der Luchs also Rehe. Aber auch Wildschweine holt er sich, sogar Hirschkälber. Und Feldhasen, Dachs und Fuchs müssen sich ebenfalls vor ihm in Acht nehmen. Ach, und nicht zu vergessen: kleine Appetithäppchen zwischendurch sind natürlich auch willkommen – Mäuse oder Vögel zum Beispiel.

 

Dabei ist der Luchs ein Überraschungsjäger, kein Hetzjäger wie der Wolf, der seine Beute auch über einen längeren Zeitraum verfolgen kann. Wenn ihr Euch einen Luchs mal genauer anschaut, wisst ihr auch, warum das so ist: Seine im Verhältnis zum Körper langen Beine, besonders die Hinterbeine, können kraftvolle Sprünge machen. Kurze Sprints mit Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 70kmh – das kann der Luchs! Den Körper eines Langstreckenläufers hat er allerdings nicht.

 

Auf Raubkatzenart schleicht er sich an seine Beute heran. Mit wenigen Sätzen muss es ihm dann gelingen, diese zu erreichen, mit den kräftigen Vorderpranken zu packen und mit einem gezielten Biss in die Kehle zu töten. Hat er sich an seiner Beute pickepackesatt gefressen, verscharrt er diese an einem geschützten Platz unter Laub und Ästen, als Vorratslager sozusagen. Knurrt der Magen, kehrt er zurück. So wird der Luchs mit einem Reh pro Woche satt. Zur Zeit haben wir etwa 137 nachgewiesene Luchse in Deutschland. Wenn man bedenkt, dass pro Jahr über 1 Millionen Rehe bei der Jagd geschossen werden (im letzten Jahr waren es knapp 1,3 Millionen), frisst der Luchs wirklich nicht allzu viel weg, oder? Als Jagdkonkurrenten sollten wir ihn also nicht sehen. Allerdings kann es sein, dass überall dort, wo der „Jäger Luchs“ auf leisen Pfoten jagt, die Rehe etwas vorsichtiger und scheuer werden. Man sagt auch, sie werden „heimlicher“ und weniger berechenbar. So kann es für den „Jäger Mensch“ in Luchsgebieten manchmal etwas schwieriger werden, zu jagen.

(C) D. Pagendarm
(C) D. Pagendarm

Und es gibt noch einen anderen Grund, warum Luchs und Wolf manchmal nicht gern gesehen sind: Hin und wieder vergreifen sie sich auch an Haustieren, wie zum Beispiel Schafen oder Ziegen. Die sind für Raubtiere manchmal leichte Beute, da sie oft eingezäunt sind und von ihrer Weide nicht fort können. Gelingt es einem Raubtier, den Zaun zu überwinden, hat der Beutegreifer (so nennt man die Raubtiere auch) leichtes Spiel. Das ist dann natürlich schlimm für den Tierhalter! Daher bekommen Landwirte und alle Schaf- oder Ziegenhalter, die in Gebieten leben, wo es schon Wölfe und Luchse gibt, Unterstützung: das heisst zum Beispiel Geld, damit sie sich raubtiersichere Zäune und schlagkräftige Weidezaungeräte (für Stromführende Zäune) kaufen können. Auch müssen sie gut beraten werden, wie sie ihre Tiere am besten schützen. Bei großen Schafherden in Wolfsgebieten werden zum Beispiel auch erfolgreich Herdenschutzhunde eingesetzt. Kommen Tiere zu Schaden, bekommt der Besitzer zwar finanzielle Entschädigung. Das bringt ihm aber nicht die Tiere zurück, die er vielleicht gern hat, und die ihm aus anderen Gründen wichtig sind. Zum Beispiel, weil es sich um wertvolle Zuchttiere handelt, die sich nicht so einfach ersetzen lassen. Zum Glück passiert so etwas nur selten, denn sowohl Luchse als auch Wölfe finden hier bei uns ausreichend „wilde“ Nahrung. Aber ihr seht schon, wie wichtig es ist, Weidetiere so gut wie möglich zu schützen, damit all das gar nicht erst passiert. Ein Raubtier kann nicht gegen seine Natur verstoßen – es muss nun einmal Tiere erbeuten und Fleisch fressen. Aber wir Menschen sind sicher in der Lage, Wege zu finden, wie wir am besten mit Luchs und Wolf zusammenleben können!

Während Wölfe und auch ganze Wolfsrudel schon in einigen Teilen Deutschlands leben, kehrt der Luchs nur langsam zu uns zurück. Als sehr scheues Tier, das als Einzelgänger lebt und sehr große Reviere benötigt, hat er es schwerer als der Wolf. Der Luchs fühlt sich in großen waldreichen Gebieten am wohlsten, wo er wenig gestört wird, und in denen es reichlich Rehe gibt – sie sind seine Lieblingsbeute. Er kommt aber auch mit anderen Gebieten zurecht, solange er dort genug Deckung (zum Beispiel durch Gebüsche, Unterholz und Felsen) und Nahrung findet. Der Luchs braucht große Reviere, die mit Urin, Kot und mit Kratzspuren markiert werden. Das tun besonders die Kuder, die Männchen. Zur Paarungszeit, zwischen Februar und März, verlassen die Tiere manchmal auch ihr Revier und begeben sich auf die Suche nach einem Partner. Haben sich Männchen und Weibchen gefunden, bleiben sie eine Weile zusammen und gehen zum Beispiel auch gemeinsam auf Jagd. Nach der Paarung trennen sie sich aber wieder und der Kuder ist längst über alle Berge, wenn nach 67-74 Tagen die kleinen Luchse geboren werden. Meist sind es zwei, seltener aber auch bis zu drei oder sogar vier kleine Pelzknäuel! Sie wiegen nur etwa 250g (das ist so schwer wie ein Päckchen Butter) und sind anfangs noch blind. Sie haben ein hellbraunes, weiches, seidiges Fell. Erst nach 4 Wochen öffnen sie ihre Augen. Dann wird es bald aufregend bei Familie Luchs, denn die kleinen Kätzchen sind ganz schön neugierig und verspielt! Alles, was sich bewegt – Grashalme, Blätter, kleine Krabbeltiere und vieles mehr muss untersucht werden!

 

In diesem Kurzfilm könnt ihr sehen, wie junge Luchse spielen:

Bald schon gehen sie mit Mutter Luchs auf gemeinsame Streifzüge und lernen alles, was ein kleiner Luchs halt so wissen muss. Ein ganzes Jahr bleiben sie bei der Mutter, sofern sie diese Zeit überleben. Ist die Luchsin zum Beispiel gerade auf Jagd und hat die Kleinen im Versteck zurückgelassen (das kann zum Beispiel eine Höhlung unter einem Wurzelstock sein), sind sie für kurze Zeit ungeschützt. Dann können Fuchs, Marder oder Greifvögel den Kleinen durchaus gefährlich werden.

 

Gefahren für Luchse

Auch Straßen sind eine große Gefahr für Luchse. Leider gibt es bei uns sehr viele Straßen und es werden immer mehr gebaut. Sie zerschneiden die Lebensräume vieler Tiere und stellen zum Teil unüberwindliche Hindernisse dar. Nicht selten werden auch Luchse von Autos überfahren. Besonders wenn die Jungtiere das heimatliche Revier der Mutter verlassen, um sich ein eigenes Territorium (Jagdgebiet/Lebensraum) zu suchen, streifen sie viel umher und kreuzen dabei leider oft auch Straßen und sogar Autobahnen.

 

Und leider gibt es immer wieder auch illegale Abschüsse. Obwohl die Tiere unter Schutz stehen. Das finden wir sehr traurig und ihr sicher auch.

 

Es lauern also doch so einige Gefahren, besonders wenn Luchse auf Wanderschaft sind. Nur etwa jeder zweite Jungluchs überlebt das erste Lebensjahr.

 

Schutzmöglichkeiten

Aber jetzt wollen wir Euch von etwas wirklich Gutem erzählen!!!

Viele Menschen sind auch bemüht, dem Luchs zu helfen. Denn die meisten Menschen finden es doch toll, das es wieder Luchse bei uns gibt! Zum Beispiel gibt es Wiederansiedlungsprojekte.

 

So ein Projekt ist auch die Geschichte von Kaja, Luna und Lucky. Die drei waren Waisenkinder und wurden im Pfälzer Wald ausgewildert. Hier erfahrt ihr etwas über das spannende Auswilderungsprojekt und darüber, was aus den drei Luchsen geworden ist.

 

Solche Wiederansiedlungsprojekte sind ganz wichtig und haben einen großen Anteil daran, dass es überhaupt schon wieder einige Luchse bei uns gibt.

 

Es gibt auch noch weitere Möglichkeiten, Luchse zu schützen. Man hat sich zum Beispiel“ Grünbrücken“ ausgedacht. Das sind bepflanzte Brücken, die extra für Tiere gebaut werden, damit sie im Schutz von hohem Gras und Sträuchern stark befahrene Strassen sicher überqueren können. Das ist eine tolle Idee und wir bräuchten von diesen Grünbrücken noch viel viel mehr! Damit würden wir nicht nur den Luchs retten, sondern auch viele andere Tiere!

Zum Thema Grünbrücken gibt es sogar ein tolles Bühnenstück! Schaut mal hier...

 

Vielleicht stellt ihr es mal Euren Freunden, Eurem Verein oder in der Schule vor, und ihr macht ein tolles Theaterprojekt daraus? Dann könnt ihr auch anderen Leuten vom Luchs erzählen und vielleicht gewinnt ihr so für ihn neue Freunde! Das wäre richtig klasse!

Jetzt wisst ihr ja auch schon ganz viel über den Eurasischen Luchs! Hier ist nochmal sein Steckbrief:

Der Eurasische Luchs

  • ist ein katzenartiger Beutegreifer
  • ist mit einer Körperlänge von bis zu 1,30m und einer Schulterhöhe von bis zu 70cm etwa so groß wie ein Schäferhund
  • erreicht ein Gewicht von max. 25-30kg
  • ist mit seinem grau-gelb bis bräunlich gefärbten Fell und den vielen dunklen Flecken hervorragend getarnt
  • hat einen 20-25cm kurzen Stummelschwanz mit einem schwarzen Ende und
  • einen breiten runden Kopf mit einem kräftigen Raubtiergebiss
  • hat an seinen dreieckigen Ohren 2-4cm lange Haarpinsel (das „Markenzeichen“ der Luchse). Sie wirken wie Antennen, mit denen er eine Maus noch auf 60m Entfernung hören kann.
  • er kann 6mal so gut sehen wie wir Menschen

Noch mehr tolle Infos und Aktionen (manche aber leider schon abgelaufen, aber trotzdem spannend) rund um den Luchs gibt es auch

Heute habt ihr wieder einmal erfahren, wie wichtig es ist, dass wir versuchen, die Natur – und eben auch die Tiere zu verstehen. Nicht nur, weil das schön und spannend ist. Auch damit wir nicht Vorurteile haben. Und dann Dinge tun, die zum Beispiel dazu führen, dass ein so schönes Tier wie der Luchs ausstirbt. Denn jedes Tier hat seine wichtige Aufgabe in der Natur, jedes Tier hat ein Recht auf einen Platz zum Leben!


Beim nächsten Mal – mmmhhh sollen wir das etwa schon verraten??? Nein, kommt gar nicht in die Tüte! Es geht mal wieder um kleine Tiere – sehr kleine Tiere! Aber gleichzeitig sind sie auch groß, denn ohne sie wären wir Menschen ganz schön aufgeschmissen!

 

Bis nächste Woche also! Tschüüüühüüs!!!