Pädagogisches Konzept der NABU Umweltbildungsstätte Rolfscher Hof

 

Unser Leben - unsere Zukunft! Die Welt lebenswert gestalten.

Heranwachsen in dieser komplexen Welt bedeutet, mit vielen individuellen und gesellschaftlichen Herausforderungen und Unsicherheiten konfrontiert zu werden und auch damit umgehen zu lernen. Aus diesem Grund ist es von besonderer Bedeutung, schon früh adäquate Kompetenzen zu erwerben, die es uns ermöglichen, erfolgreiche und nachhaltige Lösungswege für ein zukunftsfähiges Leben unserer und nachfolgender Generationen auf der Erde zu erkennen und zu gestalten.

 

Die Umweltbildungsstätte Rolfscher Hof hat es sich zum Ziel gesetzt, genau diese Lern- und Anpassungsprozesse zu begleiten und zu unterstützen. Schon seit über 15 Jahren können wir in unserer Institution auf professionelle Arbeit im Bereich von Natur- und Umweltpädagogik zurückblicken. Im Hinblick auf die immer dringlicher werdenden 17 Ziele für eine nachhaltige Entwicklung (Substainable Development Goals, SDGs) legen wir seit einigen Jahren besonderen Wert darauf, immer mehr Nachhaltigkeits-Themen in den Vordergrund unserer Bildungsangebote zu stellen. Dies hat zur stetigen Erweiterung unserer Programme und der in ihnen angewandten methodischen Zugänge geführt. Die Förderung zum BNE-Regionalzentrum für den Kreis Lippe erhielt der Rolfsche Hof im Jahre 2017 und wirkt seitdem als Mitglied im BNE-Landesnetzwerk NRW zusammen mit 24 weiteren Zentren aktiv an einem sich in NRW ergänzendes BNE-Angebot und dessen Weiterentwicklung mit.

 

Besonders wertvoll für unsere Bildungsangebote, die bei fast jedem Wetter im Freien stattfinden, ist das einzigartige, 25 ha große, inmitten des Naturparks Teutoburger Wald gelegene, sehr abwechslungsreiche Gelände des Rolfschen Hofes. Angefangen bei Feuchtwäldern, artenreichen Nieder- und Hochwäldern, über Steinbrüche, bunt blühende Magerwiesen und bucklige Weiden bis hin zu einer von Trockenheit geprägten Bergheide im nahe gelegenen Naturschutzgebiet „Hohe Warte“, findet sich hier eine für den Detmolder Raum einzigartige Vielfalt an Lebensräumen, die nur darauf wartet, im Rahmen einer BNE entdeckt, beforscht, erkundet, hinterfragt, analysiert und gestaltet zu werden.

 

Welche Ziele verfolgen wir und woran orientieren wir uns in unserer Arbeit?

Was braucht der Mensch an grundlegenden Kenntnissen, Fähigkeiten und Einstellungen, um sein Leben nachhaltig für sich und andere im lokalen, wie globalen Kontext gestalten zu können? Und mit welchen Methoden und Mitteln ist dies zu erreichen? Auf dieser Fragestellung basiert das Konzept der Gestaltungskompetenz nach Gerhard de Haan u. a (2008), aus dem 12 differenzierte Teilkompetenzen herausgearbeitet wurden, die wir für unsere pädagogische Arbeit als Orientierungsrahmen und Hilfestellung nutzen, um erfolgreiche Bildungsveranstaltungen im Sinne einer BNE anzubieten.

 

Wir haben den Anspruch, ganzheitliche Lernprozesse mit handlungsorientiertem, interaktivem und partizipativem Charakter anzustoßen und zu begleiten. Berücksichtigt werden dabei die ineinandergreifenden Dimensionen Soziales, Kultur, Ökologie, Ökonomie und Politik in Bezug auf vergangene, gegenwärtige und natürlich auch auf zukünftige Aspekte. Diese werden in unseren Veranstaltungen in Verbindung zueinander gesetzt und miteinander verknüpft (Förderung von vernetztem Denken). Mit dem Blick auf unterschiedliche Interessenslagen der genannten Dimensionen (Förderung von Perspektivenwechsel) wächst das Bewusstsein darüber, selbst Teil dieser Welt und damit einflussreiche:r Akteur:in zu sein. Dieses Gefühl, Weltbürger:in zu sein, am gesellschaftlichen Leben teilnehmen zu dürfen bzw. zu müssen, um Veränderungsprozesse in Gang zu bringen (Förderung emotionaler Partizipation), lässt die Bereitschaft wachsen, mutig Verantwortung für nachhaltigkeitsrelevante Bereiche zu übernehmen und auch andere zu motivieren, sich dahingehend zu engagieren.

 

Leitend dabei ist der Blick auf eine positive Zukunft (optimistischer Ansatz) und die Vermittlung eines achtsamen und rücksichtsvollen Umgangs mit der Natur, der Umwelt und ihren Ressourcen zur Wertehaltung. Das Kennenlernen der eigenen Prinzipien und Haltungen, die Konsequenzen unseres Handelns für das eigene Dasein, die Umwelt, das soziale Umfeld und Menschen anderer Herkunft abschätzen können sowie das Erkennen, Benennen und Abwägen von Spannungsverhältnissen und Dilemmata der unterschiedliche Perspektiven sind weitere wichtige Zielkomponenten unserer pädagogischen Arbeit. Nur wer sein eigenes Tun einschätzen kann, ist in der Lage, für eine nachhaltige, gerechte und friedliche Welt einzutreten. Diese gemachten Selbstwirksamkeitserfahrungen beleben die Kompetenzförderung für ein verantwortungsvolles, vorausschauendes und kritisches Denken und Handeln im persönlichen sowie im gesellschaftlichen Kontext und sind ein Herzensanliegen unserer Arbeit, da nur so transformatives Denken im Sinne des Entwickelns innovativer Lösungswege entstehen kann: hin zu einer zukunftsfähigen Welt auch für kommende Generationen!

 

An wen richten sich unsere Angebote?

Ganz im Sinne des lebenslangen Lernens bieten wir BNE-Bildungsveranstaltungen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene an. So begleiten und unterstützen wir vor allem Kindertageseinrichtungen, Grundschulklassen und Schulklassen der Sek. I & II, auf Anfrage aber auch Berufsschulen sowie andere Bildungs- und Weiterbildungseinrichtungen mit zielgruppenorientierten Angeboten auf ihrem Weg zu einer Bildung für eine nachhaltige Entwicklung.

 

Wie strukturieren sich unsere Angebote?

Unsere Bildungsveranstaltungen sind stets in Phasen ganzheitlicher, interaktiver und handlungsorientierter Lernprozesse unterteilt. Sie gliedern sich in Einführungsphase, Erarbeitungsphase und Transferphase, die sich innerhalb einer Veranstaltung durchaus wiederholen können.

Wir arbeiten vorwiegend in heterogenen Gruppen (in Kleingruppen oder im Plenum), da die soziale Komponente, das sich miteinander Austauschen, Einigen, Auseinandersetzen, in unseren Veranstaltungen einen hohen Stellenwert genießt. Aus diesem Grund lassen wir während der Veranstaltungen auch Raum für Meinungen, Eindrücke und Reflexionen, die wir spontan und situationsgerecht aufgreifen. In jeder Phase hinterfragen wir unser pädagogisches Vorgehen, um bestmöglich BNE-relevante Kompetenzen fördern zu können. Durch einen spielerischen und sinnlichen Einstieg (sinnliche Wahrnehmungsspiele, Rallyes, spannende Anekdoten aus der Tier- und Pflanzenwelt, Suchaufträge, Beforschen bestimmter Sachverhalte) ermöglichen wir Naturerfahrungen und entdeckendes Lernen. Diese forschende Interaktion mit und in der Natur weckt Begeisterung, deckt Problemlagen auf und führt zur Steigerung von Aufmerksamkeit und Neugierde. Die Bereitschaft zum Engagement nimmt zu und durch partizipative Methoden (Übungen zur Teambildung, Wettbewerbe, Ausstellungen) werden alle gleichermaßen einbezogen und gefordert (Chancengleichheit).

Am Ende eines Angebotes veranstalten wir mit allen Beteiligten eine gemeinsame Schlussrunde. Hierbei lassen wir Erlebtes Revue passieren, fassen gewonnene Erkenntnisse zusammen und arbeiten Stimmungen mit ergänzenden Reflexionsmethoden auf, hinterfragen, bewerten und nehmen Verbesserungsvorschläge an (z.B. Kartenabfrage, Blitzlicht, Stimmungsbarometer, Schatztruhe od. Mülleimer u. a.). Diese Einheit dient dazu, aus der Verknüpfung von Gelerntem ein Bewusstsein zu entwickeln, die eigene Handlungsverantwortung wahrzunehmen, Handlungsalternativen in Betracht zu ziehen und diese gewinnbringend für eine nachhaltige Entwicklung einzusetzen.

 

Derzeit evaluieren wir unsere BNE-Veranstaltungen mithilfe eines Bewertungsbogens, der von Seiten einer Gruppenbegleitperson ausgefüllt wird.

 

Welche Prinzipien pädagogischer Arbeit verfolgen wir?

Weil Bildung für eine nachhaltige Entwicklung auch die politische Dimension miteinschließt, gelten für unsere pädagogische Arbeit die Prinzipien des Beutelsbacher Konsens (1976). Unsere Angebote werden altersgerecht und zielgruppenspezifisch mit Lebensweltbezug entwickelt, um die Teilnehmenden ohne Indoktrination dort abholen zu können, wo sie stehen.

 

Dabei werden in einem partizipativen Rahmen unterschiedliche Perspektiven, Standpunkte und Einstellungen mithilfe passender Lehr- und Lernmethoden beleuchtet, erlebbar gemacht und analysiert, was zum Aufbau von BNE-relevanten Kompetenzen führt. Der/die Referent:in dient dabei als Begleiter:in auf Augenhöhe, die/der den Akteuren:innen in einer vertrauens- und respektvollen Atmosphäre unvoreingenommen die Möglichkeiten ihrer eigenen Gestaltungs- und Handlungsfreiheit erfahren lässt (Förderung von Selbstständigkeit).

 

Unsere Bildungsangebote profitieren nicht zuletzt auch von der langjährigen Mitarbeit unseres Teams mit seiner durch das entsprechende Erfahrungswissen und durch interne/externe Schulungen erworbenen Fachkompetenz. So konnten die vorhandenen Angebote in den letzten Jahren weiter auf BNE-Relevanz geprüft werden, Fehlendes wurde ergänzt und Neues mit aufgenommen. Auch wir Mitarbeiter:innen erleben uns in einem steten Austausch und reflektieren unsere Arbeit innerhalb des Teams kontinuierlich, so dass aktuelle Themen in unseren Veranstaltungen Platz finden und lebensweltnah vermittelt werden können (regelmäßige Teamtreffen, kollegiale Beratung, kritischer Austausch).

 

Welche methodischen Zugänge nutzen wir?

Die methodischen Zugänge unserer Arbeit sind so vielfältig wie die unterschiedlichen Dimensionen einer nachhaltigen Entwicklung.

So bedienen wir uns in unseren langjährig erprobten Umweltbildungsveranstaltungen und Veranstaltungen zum Thema Naturpädagogik eher einer „klassischen“ Methodik (sinnliche Wahrnehmung, forschendes Entdecken, naturkundliche Wissensvermittlung, meditative Naturbegegnung, praktische Umweltschutzmaßnahmen, handwerkliches und künstlerisches Tun u.v.m.). Aber auch Elemente der Erlebnispädagogik finden sich in diesen Angeboten wieder (Teamtraining, kooperative und lösungsorientierte Aufgaben in künstlichen Lernsettings, Geocaching).

Unsere BNE-Bildungsangebote basieren vorwiegend auf neueren methodischen Ansätzen, die auf die Förderung der Kompetenzbereiche Partizipation, Auseinandersetzung mit Werten/Normen und vernetztes/systemisches Denken abzielen:

Partizipation wird in unseren Veranstaltungen „groß“ geschrieben. Die Teilnehmenden interagieren in heterogenen Gruppen und lernen durch eine methodenspezifische Teilhabemöglichkeit verantwortungsbewusstes sowie eigeninitiatives Handeln. Zum Einsatz kommen dabei Methoden wie Gesprächskreise, Mitentscheidung, Mediation (Vermittlung bei Konflikten), Kooperationsaufgaben, Wettbewerbe oder Ausstellungen. Bei kooperativen Aktionen wie beispielsweise den gemeinsamen Bau einer Mini-Kläranlage zur Verdeutlichung der Wichtigkeit von sauberem Wasser sind alle Teilnehmenden gehalten, Stellung zu dieser Problemsituation zu beziehen und gemeinsam durch Diskussionen einen Konsens zu finden, der zur Lösung der Aufgabe beiträgt (z.B. kooperative/lösungsorientierte Aufgaben).

 

Auch die Auseinandersetzung mit Werten und Normen ist für uns eine notwendige Vorbedingung, wenn es darum geht, die eigenen Handlungen und ihre Konsequenzen abschätzen zu lernen. Warum richtet beispielsweise mein Handeln Schaden bei Menschen in anderen Ländern an? Oder was hat das Waldsterben mit meinem Mobilitätsverhalten zu tun? Auch hier helfen uns passende Methoden (z.B. Informationsbeschaffung und -auswertung, das Weltverteilungsspiel, die Bedürfnispyramide, die Dilemmadiskussion) dabei, die eigenen Vorstellungen der Teilnehmenden von Gerechtigkeit als Entscheidungs- und Handlungsgrundlage erfahrbar und nutzbar zu machen. Weiterhin kommen in diesem Zusammenhang auch Phantasiereisen, Naturmeditation und das Philosophieren in unseren Veranstaltungen zum Einsatz. Dabei geht es uns darum, dass die Teilnehmenden ihre eigenen Einstellungen kennen, benennen und hinterfragen können sowie die der anderen wahrnehmen und reflektieren lernen (Perspektivenwechsel).

 

Nicht zuletzt verwenden wir Methoden zur Förderung des vernetzten/systemischen Denkens, die darauf abzielen, vorausschauendes Denken und Handeln bzw. ein Verständnis von Nachhaltigkeit zu entwickeln. Können beispielsweise schon Zukunftsentwürfe mit dem eigenen gegenwärtigen Handeln verknüpft werden? Inwieweit besteht bei den Teilnehmenden bereits konkretes Wissen über Sachverhalte mit Nachhaltigkeitsbezug und ihre Wirkungen (Konsumverhalten, Kleidung, Nahrung)?

 

Gemeinsam begleiten wir die Teilnehmenden auf ihrem Weg dahin, Problemlagen zu erkennen, sie in ihrer Reichweite und ihren unterschiedlichen Perspektiven einzuschätzen und unterstützen sie bei der Suche nach kreativen Lösungen. Angewandt werden in diesem Kontext Methoden wie Rollenspiele, das Lernen an Stationen, entdeckendes Lernen oder Simulationsspiele.

Unsere Methodenanwendung berücksichtigt in Abhängigkeit vom Thema die Bedarfe der Gruppe, ist interaktiv und handlungsorientiert ausgerichtet und bezieht auch emotionale, kognitive und körperliche Aspekte mit ein – eine ganzheitliche Herangehensweise mit Hand, Herz & Kopf.

Zwar grenzen wir die Bereiche BNE und Umweltbildung klar voneinander ab, jedoch scheuen wir uns nicht davor, sinnvolle Einzelelemente z.B. aus der Umweltbildung oder Naturpädagogik als „Türöffner“ auch für BNE-Veranstaltungen einzusetzen.

 

Was sind unsere BNE-Schwerpunktthemen?

  • Wald: Ökosystem Wald, Mischwälder und Monokulturen, der Laubbaum mit seinen Funktionen, Geschichte/Mythologie des Waldes, Forstwirtschaft, Beeinflussung des Klimas durch Wälder, globale Betrachtung von Wald
  • Wasser: Ökosystem Wasser an Fließgewässern und am See, Gewässergütebestimmung, Selbstreinigungskraft des Wassers, Wasserkreislauf, Wasserverteilung global betrachtet, nachhaltiges Wirtschaften mit Wasser, Gewässerökologie, Grundwasserschutz, Wasserverschmutzung, Nutzung von Wasserkraft, Gewässerstrukturgüte
  • Klima und Jahreszeiten: Klimaschutz, Treibhauseffekt, Ursachen des Klimawandels, Wetter und Klima, Klimawandel, Auswirkungen des Klimawandels auf Biodiversität und Artenvielfalt
  • Biodiversität: Ökosystem Wiese, Ökosystem Hecke, Vielfalt an Arten und Lebensräumen, Lebensraum Boden, Bodenschutz, Bodengefährdung, Bedeutung von Biodiversität für den Menschen
  • Lebensstil und Konsum: Müll, Müllvermeidung, Ressourcenschutz, Recycling, Zero Waste, Mikroplastik, Nachhaltiger Lebensstil, umweltfreundliche Mobilität, bewusster Konsum, erneuerbare Energien (Sonne, Wind, Wasser), Konsumverhalten (Kleidung, Nahrung), Müllreduzierung/-vermeidung