Rotes Höhenvieh
Eine vom Aussterben
bedrohte Rasse lebt wieder auf
von Dirk Tornede
„Es ist die Fahrkuh, die jegliche Gespannarbeit ausführen muß.
Im Frühjahr zieht sie unentwegt Furche auf Furche zu schrägem, buckeligen
Reine, damit den schmalen Ackerbeeten das Sommerkorn einverleibt werden
kann. Fuder auf Fuder bringt sie unermüdlich den kostbaren, über Winter bis
zur Fensterhöhe der Wohnstube aufgesetzten Mist die steilen Berge hinan,
wenn zwei Kühe es nicht schaffen, dann im Verein mit vieren, fünfen oder gar
sechsen... Gutwillig geht die Fahrkuh nach dem Zurufe des Herren.“ (aus
Rodenbeek 1930. Das Vogelsberger Rind)
Die Rede ist vom Roten Höhenvieh, einem kleinen, robusten und
einfarbig rotem Rind, dass trotz der kärglichen Bedingungen in der
kleinbäuerlichen Landwirtschaft der deutschen Mittelgebirge sehr
leistungsfähig war. Das Rote Höhenvieh war ein klassisches Dreinutzungsrind,
dass Milch, Fleisch und Zugkraft lieferte. Bei Zugleistungswettbewerben um
1900 waren die Rinder unübertroffen und erzielten stets erste Preise.
Durch die Mechanisierung der Landwirtschaft wurde die
ausgeprägte Zugleistung des Roten Höhenviehs plötzlich wertlos. Die Rasse
wurde so mehr und mehr verdrängt, bis es schließlich nur noch einzelne Tiere
gab, die zudem nicht mehr reinrassig waren. Erst um 1980 setzte sich
unter engagierten Tierzüchtern und Landwirten die Erkenntnis durch, alte
Haustierrassen mit ihren speziellen Rasseeigenschaften zu erhalten.
Auf Dauer erhalten werden kann die Rasse aber nur, wenn eine
sinnvolle Nutzung möglich ist. Die Zugleistung der Rinder wird nicht
gebraucht und die Milchleistung ist gegenüber Milchrassen viel zu niedrig.
Aber in der Fleischerzeugung in Form der Mutterkuhhaltung haben sich
mittlerweile Einsatzmöglichkeiten für das Rote Höhenvieh entwickelt. Auf dem
Rindfleischmarkt bietet das Rote Höhenvieh aufgrund der sehr guten
Fleischqualität gute Chancen in der Direktvermarktung. Für die
Mutterkuhhaltung von Vorteil sind die Leichtkalbigkeit, gute
Muttereigenschaften, ausreichende Milchleistung für die Saugkälber,
Langlebigkeit, Widerstandsfähigkeit und Robustheit der Tiere. Auch zur
Landschaftspflege lassen sich die Tiere wegen ihrer Genügsamkeit besonders
gut auf kargen, ertrags-schwachen Hängen oder in Feuchtwiesen einsetzen, die
aus Naturschutzsicht besonders wertvoll sind. Aufgrund ihres geringen
Gewichtes, der harter Klauen und Beweglichkeit sind sie hier vielen anderen
Fleischrinderrassen überlegen.
Diese Vorteile hat auch der NABU Lippe erkannt und 1999 10
weibliche Tiere und einen Zuchtbullen mit Förderung des Naturparks
Eggegebirge und südlicher Teutoburgerwald erworben. Es konnte Landwirte
gefunden werden, die seitdem die Tiere halten und die Pflege von wertvollen
Grünland durch Beweidung sicherstellen, u.a. am Rolfschen Hof in Berlebeck
und in Oettern-Bremke (bei Detmold). Seit 2002 wird auch in
Schlangen-Kohlstädt Rotes Höhenvieh gehalten, um u.a. die NABU-Flächen am
Twetenberg mit den Tieren zu pflegen. Darüber hinaus hält auch das
Freilichtmuseum in Detmold seit Jahren ein paar Tiere und setzt diese bei
Vorführungen auch zur Zugarbeit ein. Insgesamt gibt es zur Zeit etwa 25
Tiere in Lippe, deren Zahl weiter steigen soll. Und vielleicht finden sich
ja auch noch weitere Halter, die Interesse an dieser alten Haustierrasse
haben.
Ansprechpartner
zum Roten Höhenvieh beim NABU Lippe:
Dirk Tornede, Lippspringer Str. 70, 33189 Schlangen, Tel.
05252-7355, edenrot@web.de
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Rotes Höhenvieh- Kalb (Foto: G. Lühr)

Mutterkuh mit Kalb beim Sonnenbad (Foto: G. Lühr)

Landschaftspflege mit Rotem Höhenvieh am Rolfschen Hof
(Foto: B. Heinz)

Rotes Höhenvieh- Bulle in Oettern-Bremke (Foto: D. Lühr)
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