NABU Umweltbildungsstätte Rolfscher Hof

 

 

 

STAFF Stiftung Lemgo

 

[Stand: 18.01.2012]

 

Rotes Höhenvieh

Eine vom Aussterben bedrohte Rasse lebt wieder auf                                    von Dirk Tornede

„Es ist die Fahrkuh, die jegliche Gespannarbeit ausführen muß. Im Frühjahr zieht sie unentwegt Furche auf Furche zu schrägem, buckeligen Reine, damit den schmalen Ackerbeeten das Sommerkorn einverleibt werden kann. Fuder auf Fuder bringt sie unermüdlich den kostbaren, über Winter bis zur Fensterhöhe der Wohnstube aufgesetzten Mist die steilen Berge hinan, wenn zwei Kühe es nicht schaffen, dann im Verein mit vieren, fünfen oder gar sechsen... Gutwillig geht die Fahrkuh nach dem Zurufe des Herren.“ (aus Rodenbeek 1930. Das Vogelsberger Rind)

Die Rede ist vom Roten Höhenvieh, einem kleinen, robusten und einfarbig rotem Rind, dass trotz der kärglichen Bedingungen in der kleinbäuerlichen Landwirtschaft der deutschen Mittelgebirge sehr leistungsfähig war. Das Rote Höhenvieh war ein klassisches Dreinutzungsrind, dass Milch, Fleisch und Zugkraft lieferte. Bei Zugleistungswettbewerben um 1900 waren die Rinder unübertroffen und erzielten stets erste Preise.

Durch die Mechanisierung der Landwirtschaft wurde die ausgeprägte Zugleistung des Roten Höhenviehs plötzlich wertlos. Die Rasse wurde so mehr und mehr verdrängt, bis es schließlich nur noch einzelne Tiere gab, die zudem nicht mehr reinrassig waren. Erst um 1980 setzte sich unter engagierten Tierzüchtern und Landwirten die Erkenntnis durch, alte Haustierrassen mit ihren speziellen Rasseeigenschaften zu erhalten.

Auf Dauer erhalten werden kann die Rasse aber nur, wenn eine sinnvolle Nutzung möglich ist. Die Zugleistung der Rinder wird nicht gebraucht und die Milchleistung ist gegenüber Milchrassen viel zu niedrig. Aber in der Fleischerzeugung in Form der Mutterkuhhaltung haben sich mittlerweile Einsatzmöglichkeiten für das Rote Höhenvieh entwickelt. Auf dem Rindfleischmarkt bietet das Rote Höhenvieh aufgrund der sehr guten Fleischqualität gute Chancen in der Direktvermarktung. Für die Mutterkuhhaltung von Vorteil sind die Leichtkalbigkeit, gute Muttereigenschaften, ausreichende Milchleistung für die Saugkälber, Langlebigkeit, Widerstandsfähigkeit und Robustheit der Tiere. Auch zur Landschaftspflege lassen sich die Tiere wegen ihrer Genügsamkeit besonders gut auf kargen, ertrags-schwachen Hängen oder in Feuchtwiesen einsetzen, die aus Naturschutzsicht besonders wertvoll sind. Aufgrund ihres geringen Gewichtes, der harter Klauen und Beweglichkeit sind sie hier vielen anderen Fleischrinderrassen überlegen.

Diese Vorteile hat auch der NABU Lippe erkannt und 1999 10 weibliche Tiere und einen Zuchtbullen mit Förderung des Naturparks Eggegebirge und südlicher Teutoburgerwald erworben. Es konnte Landwirte gefunden werden, die seitdem die Tiere halten und die Pflege von wertvollen Grünland durch Beweidung sicherstellen, u.a. am Rolfschen Hof in Berlebeck und in Oettern-Bremke (bei Detmold). Seit 2002 wird auch in Schlangen-Kohlstädt Rotes Höhenvieh gehalten, um u.a. die NABU-Flächen am Twetenberg mit den Tieren zu pflegen. Darüber hinaus hält auch das Freilichtmuseum in Detmold seit Jahren ein paar Tiere und setzt diese bei Vorführungen auch zur Zugarbeit ein. Insgesamt gibt es zur Zeit etwa 25 Tiere in Lippe, deren Zahl weiter steigen soll. Und vielleicht finden sich ja auch noch weitere Halter, die Interesse an dieser alten Haustierrasse haben.

Ansprechpartner zum Roten Höhenvieh beim NABU Lippe:

Dirk Tornede, Lippspringer Str. 70, 33189 Schlangen, Tel. 05252-7355, edenrot@web.de

 

 

 

Rotes Höhenvieh- Kalb  (Foto: G. Lühr)

 

Rotes Höhenvieh- Kalb  (Foto: G. Lühr)

 

Mutterkuh mit Kalb beim Sonnenbad  (Foto: G. Lühr)

 

Mutterkuh mit Kalb beim Sonnenbad  (Foto: G. Lühr)

 

Landschaftspflege mit Rotem Höhenvieh am Rolfschen Hof (Foto:  B. Heinz)

 

Landschaftspflege mit Rotem Höhenvieh am Rolfschen Hof

(Foto: B. Heinz)

 

Rotes Höhenvieh- Bulle in Oettern-Bremke  (Foto: D. Lühr)

 

Rotes Höhenvieh- Bulle in Oettern-Bremke  (Foto: D. Lühr)

 

 

 

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